Geschichte des VS

Vorgeschichte 1842 – 1945

Schriftstellervereine und Schriftstellerverbände in Deutschland seit 1842, Stimmen und Stimmungen

Eine Materialsammlung zum 25jährigen VS-Jubiläum 1994
von Imre Török (geboren und aufgewachsen in Ungarn, lebt im Allgäu, Bundesvorsitzender des VS von 2005 bis 2015. Seine Homepage finden Sie unter: www.imre-toeroek.de)

1842 wird der Leipziger Schriftstellerverein gegründet, 1878 entsteht der Allgemeine Deutsche Schriftstellerverband (ADSV) mit Sitz in Leipzig. Verbandsorgan: Magazin für Literatur des In- und Auslands. Für die gemeinsame Vertretung materieller und ideeller Berufsinteressen gründet 1885 Josef Kürschner den Deutschen Schriftstellerverein, der eine Altersunterstützungskasse unterhält. 1887 entsteht aus der Verschmelzung von ADSV und Schriftstellerverein der Deutsche Schriftstellerverband (DSV) mit einem Literarischen Büro in Berlin. Der DSV vergibt auch Aufträge und nimmt das Urheberrecht seiner Mitglieder wahr, gibt das Verbandsorgan „Die literarische Praxis” heraus, hat über 1000 Mitglieder. Er gilt in der Weimarer Republik im Vergleich zum Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) als der konservative Verband. Vier Jahre lang besteht der 1896 gegründete Deutsche Schriftstellerinnenbund. Größter Fachverein der damaligen Zeit ist der 1900 gegründete Allgemeine Schriftstellerverein (ASV), mit 2500 Mitgliedern „einschließlich der Dilettanten” (aus den Annalen des ASV).

1909 wird in Berlin der Schutzverband Deutscher Schriftsteller gegründet, „der erste SDS auf deutschem Boden” (Dieter Lattmann), an der Gründung beteiligt ist Theodor Heuss. Der SDS, der sich unter den Autorenorganisationen am ehesten gewerkschaftlich versteht, ergänzt 1920 seinen Namen mit der Bezeichnung Gewerkschaft Deutscher Schriftsteller. Die Mehrzahl der literarisch bedeutenden Autoren jener Epoche gehören dem SDS an, zu seinen Präsidenten zählen Thomas Mann und Theodor Heuss. In der „Weltbühne” schreibt Theodor Heuss 1911:

„Ein lyrisches Gedicht, eine Novelle wird freilich gemeinhin nicht fabriziert wie etwa ein verkaufsfähiger Stiefel oder gegen ein Fixum heruntergeschrieben wie die Ausarbeitung eines Gerichtsurteils. Aber wenn sie vorhanden, bilden sie einen ökonomischen Wert, gehen sie – wir sehen von Liebhaberspielarten ab – auf den Markt. Die Literatur erscheint als Ware und unterliegt nun dem Spiel von Angebot und Nachfrage. (…) Schriftstellerei ist bei der ungeheuren Ausdehnung der Publizistik, bei ihrer Spezialisierung und Kapitalisierung nicht mehr allein die Sache der Begabung …, sondern ist ein Beruf, zeitigt bestimmte Berufsmerkmale und schafft sich, wie das so überall ist, ihre eigene Berufsnot. Der Schriftsteller soll nur diese wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen seiner Existenz begreifen lernen …”

Kurt Tucholsky schreibt 1921 über die Solidarität unter Schriftstellern / geistigen Arbeitern („Deutsches Tempo”):

„Wenn die Hutmacher heute einen Streik beginnen, so haben sie die Aussicht, ihn siegreich zu beenden – durch ihre Solidarität. Wenn die Setzer einer großen Zeitung ihre Lohnforderungen erhöhen, so wird ihr Streikbeschluß, einmal gefaßt, den Unternehmer zu Verhandlungen zwingen, denn die Setzer sind solidarisch. Wenn aber die `geistigen´ Arbeiter einen Streik inszenierten … ach! Sie fangen gar keinen an. Das Gefühl der Solidarität unter geistigen Arbeitern ist nicht vorhanden. Die Sache liegt heute so, daß jeder, aber ausnahmslos jeder Schriftsteller seinen Kollegen literarisch wertet und danach mit ihm verkehrt: er tadelt ihn oder lobt ihn, er nimmt ihn für voll oder tut ihn verächtlich ab. Aber weiß er denn nicht, daß die geistige Arbeit mit dem Augenblick, wo sie das stille Studierzimmer verläßt und auf dem Markt gehandelt wird, Ware ist, Ware, und weiter nichts als Ware? Das weiß er nicht, und das will er auch nicht wissen. Der geistige Arbeiter glaubt, ein Künstler müsse allein stehen. (…) Es sind immer dieselben traurigen Erscheinungen: der zu Ruhm und Geld gekommene Dichter, der geschmeichelt den Aufforderungen der Redaktion nachkommt, ohne sich jemals seiner Kollegen anzunehmen, der Dilettant, der noch Geld dazugibt, wenn er nur gedruckt wird; der Zeilenschinder, der schreiben muß, weil ihm der Hunger im Nacken sitzt. Und wir andern? Wir sollten nicht länger zusehen. Wir haben nun täglich aus der Arbeit anderer Organisationen lernen können, wie die Arbeit und ihre moralische Wertung gar nichts mit dem zu tun hat, was sie darstellt, wenn sie Ware geworden ist. Wir singen nicht mehr, wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnet! Denn die Angelegenheit hat ein doppeltes Gesicht: wer bei der Arbeit an das Publikum und an sein Honorar denkt, ist ein Schmierer. Wer aber beim Vertrieb nicht an sein Honorar denkt, ist ein Dummkopf.”

Zu Beginn der 30er Jahre gibt es Flügelkämpfe der Autorengruppen, die Opposition im SDS (OSDS) vertritt energisch den Gewerkschaftsgedanken, angeführt von der Berliner Ortsgruppe des SDS und vom Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller.

Ab 1933 wird das literarische Leben im Dritten Reich von der NS-Reichsschrifttumskammer gelenkt, diktiert, beherrscht. Die ins Ausland geflüchteten Autorinnen und Autoren suchen im Internationalen Schutzverband Deutscher Schriftsteller (ISDS) Zusammenhalt, viele der Daheimgebliebenen wählen den Weg in die innere Emigration.

Bis zur Gründung: 1947 – 1969

Erster Schriftstellerkongress nach dem Krieg 1947 in Berlin / „Gruppe 47” / Bestrebungen zur Zusammenfassung regionaler Schriftstellerverbände seit 1952, Motto: „Einigkeit der Einzelgänger”

Bereits die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg spiegeln eine Problematik wider, die für viele Schriftsteller in früheren Epochen ebenso wie heute und auch in bestimmten individuellen Lebensphasen sich immer wieder neu stellt: das (notgedrungene) Einzelgängertum der Kunstschaffenden und/oder die Möglichkeiten der Organisierung sowie die (berufsständische/soziale/politische) Art dieser Organisierung. Etliche konservative Kritiker des VS verschweigen gerne – aus Unwissenheit oder bewußt -, daß individuelle, verbandsinterne und verbandsexterne Konflikte dieser Art die Geschichte aller Schriftstellervereinigungen begleiten.

Der erste Schriftstellerkongress nach dem Weltkrieg wird in Berlin abgehalten, vom 5.- 8. Oktober 1947. Bereits 1945 entsteht mit dem Schutzverband Deutscher Autoren (SDA), in Berlin gegründet, die erste Autorenorganisation nach dem Krieg. Sie führt die Gewerkschaftsdiskussion des SDS vor 1933 weiter und tritt der Gewerkschaft Kunst und Schrifttum im FDGB bei. Schon vor dem ersten Schriftstellerkongreß werden in den Besatzungszonen regionale Autorenverbände gegründet. Hans Werner Richter ruft die „Gruppe 47” ins Leben und lädt zu jährlichen Arbeitstagungen Autoren, Kritiker, Verleger ein. Die „Gruppe 47” tritt zunächst nicht nach außen in Erscheinung und wird auch später keine Autorenorganisation mit Mitgliedern und berufsständischen Zielen, wirkt dagegen als einflußreiche Verbindung von Schriftstellern (die z.T. dann auch im Schriftstellerverband aktiv sind) und Publizisten, die in Funk, Presse und Buchverlagen erhebliche Durchsetzungsmöglichkeit besitzen.

Ein Manifest des 47er-Kongresses, bei dem Emigranten und Untergetauchte zusammenkommen, lautet: „Wir deutschen Schriftsteller geloben, mit unserem Wort und unserer Person für den Frieden zu wirken, für den Frieden in unserem Lande und für den Frieden in der Welt.”

Hermann Hesse, der schon Jahre zuvor die Schweizer Staatsangehörigkeit angenommen hatte und ein „Leben als Vaterlandsloser” führte, weil er „sah, wie ganz Deutschland nahezu einmütig seine Republik sabotierte”, schreibt in einem Brief vom Juli 1945 über deutsche Politik seit 1870: „Wer sich für Bismarck oder Wilhelm den Zweiten nicht mehr mitverantwortlich fühlt und sich ostentativ die Hände wäscht, der ist doch, in 99 von 100 Fällen, treulich und begeistert seinerzeit zur Urne gepilgert, um Hindenburg zu wählen. Irgendeinmal muß eben doch das Volk anfangen, sich für sein Tun und sein Leiden selber verantwortlich zu fühlen. (…) Ein deutscher Literat ist in der von Amerika mit Rußland regierten und kontrollierten Welt bestenfalls eine lästige Figur.” Hesse im Dezember des gleichen Jahres: „Politisch hat dort – in Deutschland – niemand etwas gelernt, doch ist eine sehr kleine, durch Hitler und Himmler auf ein Minimum reduzierte Schicht vorhanden, die genau Bescheid weiß, und zu der ich manche Beziehungen habe. Doch reicht diese Schicht Humus längst nicht aus als Boden für eine neue Republik”.

Im Mai 1948 trifft man sich zum 2. Schriftstellerkongress in Frankfurt (18.-19. Mai.)und dort bereits brechen die Gegensätze zwischen Ost und West auch unter den Schriftstellern auf. Einer der Teilnehmer heißt Walter Jens, damals ein „kleiner Student, der stark opponierte”.

Als Folge der sich abzeichnenden Spaltung Berlins wird 1949 als westlicher Gegenverband zum 1945 entstandenen SDA der Berliner Schriftstellerverband gegründet, der sich gegen den FDGB abgrenzt, ab 1953 SDS Berlin. 1952 wird der erste Versuch zur Vereinigung der regionalen Autorenverbände im Westen unternommen, die z.T. seit 1945 bestehen (Hessen, Hamburg). Langjähriger Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Schriftstellerverbände wird Gerhard Pohl. Die Bundesvereinigung hat nennenswerten Anteil an der Urheber-rechtsgesetzgebung vom 9. 9. 1965, durch die die Schutzfrist für Urheberrechte von 50 auf 70 Jahre nach dem Tode eines Autors ausgedehnt wird.

1958 liest Günter Grass auf der Tagung der „Gruppe 47” in Großholzleute im Allgäu (Gasthof „Adler“) aus dem Manuskript des Romans „Die Blechtrommel” vor und erhält den Preis der Gruppe. Das macht ihn für Kenner des Literaturbetriebs in der Bundesrepublik mit einem Schlag bekannt. Zwölf Jahre später, auf dem ersten Schriftstellerkongreß des ein Jahr zuvor gegründeten VS, sagt Grass: „Wenn der Terminus organisierte Schriftsteller keinen erschreckenden Nebenhall haben soll, werden wir mehr sein müssen als nur ein Interessenverband.”

1968 wird auf der Jahresversammlung der Bundesvereinigung deutscher Schriftstellerverbände als Nachfolger von Werner Illing der zum bayerischen Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) gehörende Dieter Lattmann zum neuen Präsidenten gewählt. Er bereitet den Zusammenschluß der zehn regionalen Schriftstellerverbände, des Verbands deutscher Übersetzer und des Verbands deutscher Kritiker zu einem Gesamtverband vor. Ziel und später auch Motto des ersten Schriftstellerkongresses des VS: „Einigkeit der Einzelgänger“. Anfang 1969 treffen sich die Vorsitzenden der Regionalverbände in Berlin. Hauptpunkt der Tagesordnung: der Plan des Gesamtverbands. Die Gründung des gemeinsamen Verbands wird ohne Gegenstimme (13 Ja, 2 Enthaltungen) beschlossen.

1969: Gründungskongress des Verbands deutscher Schriftsteller e.V. (VS)

Am 8. Juni 1969 wird in Köln der eingetragene Verein „Verband deutscher Schriftsteller” gegründet. Die Abkürzung VS wird gewählt als Unterscheidung zur Studentenorganisation VDS. Mitglieder des Gründungsvorstands sind: Dieter Lattmann als Vorsitzender, Stellvertreter Hans Bayer (Thaddäus Troll), Helmut M. Braem, Ingeborg Drewitz, Eberhard Horst, Justitiar Prof. Dr. Wilhelm Nordemann, Geschäftsführer Wilhelm Damwerth. Sekretariat: Ursula Bräuning.

Die wichtigsten Forderungen des VS-Zwölf-Punkte-Programms:

Durchführung einer Sozialenquete zur Situation der Schriftsteller, berufseigene Altersversorgung, Bibliotheksabgabe für die Ausleihe geschützter Literatur, Rechtsberatung der Autoren, Rahmenverträge mit Verlagen und Sendern, Abschaffung der Umsatzsteuer für Autoren, Korrektur des Urheberrechtsgesetzes (Schulbuchparagraph), Mitwirkung an bilateralen Urheberrechtsabkommen, an öffentlichen Aufgabe, an Kontakten zu anderen Schriftstellerverbänden in West und Ost.

Aus der Gründungsrede von Dieter Lattmann „Der Poet auf dem Supermarkt” im Kölner Gürzenich am 8. Juni:

„Unter Schriftstellern, man weiß es, ist der Sinn für Zusammengehörigkeit nicht sonderlich ausgeprägt. Es gibt die Kumpanei der Gruppen – den Begriff „Kumpanei” prägte Hans Magnus Enzensberger für die „Gruppe 47” – , doch viel zu selten gemeinsames Vorgehen aus berufspolitischer Solidarität. Autoren sind wenig brauchbar für die landesübliche Vereinsmeierei. Doch in einer Zeit, die zu großen Blöcken publizistischer Macht tendiert, müssen auch sie sich zusammenschließen. Vom Schriftstellerverband reden, heißt von sehr praktischen, sehr politischen Dingen reden. Es heißt von dem sprechen, was alle Autoren angeht und um dessentwillen man zurückstellen sollte, was die meisten trennt. (…) Wenn wir uns wechselseitig an unseren Büchern messen, einigen wir uns nie. Wenn wir aber zugrunde legen, von welchen Kräften wir abhängig sind – rechtlich, gesellschaftlich, wirtschaftlich -, müßten wir Fachidioten sein, wollten wir das Bestehende nicht zu ändern versuchen. (…) Die Konzeption ist gewerkschaftlich. Da jedoch Schriftsteller hierzulande nicht nur vor dem Finanzamt als freiberufliche Unternehmer gelten, können sie nicht ohne weiteres einer Gewerkschaft beitreten. Verhandlungen werden ergeben, in welcher Form sich die Assoziation an den Deutschen Gewerkschaftsbund anbietet.(…)

Zu den Schwierigkeiten, die zu benennen man sich nicht scheuen darf, gehört das Problem der Toleranz der literarischen Elite gegenüber dem Durchschnitt der Schriftsteller. Zugluft herrscht in der Konkurrenz der Begabungen, da geht es nicht zimperlich zu. Literarische Wertungen sind jedoch nicht Zweck eines Berufsverbands. (…) Das bedeutet freilich nicht Blindheit gegenüber Rangunterschieden. Wollte man die Sensibilität für Begabungen aufstecken, könnte man gleich einpacken.”
Aus der Rede von Heinrich Böll „Ende der Bescheidenheit” anlässlich der VS-Gründung:

„Hin und wieder mögen wir ganz kluge Leute sein, als Vertreter unserer Interessen in einer Gesellschaft, die von Interessenvertretern dirigiert wird, sind wir Schwachsinnige. Dieser Schwachsinn hat z. T. ehrenwerte Ursachen, etwa die, daß wir zu sehr mit unserer Arbeit, die eine öffentliche ist, beschäftigt sind, als daß uns finanzieller Kram sonderlich interessieren könnte, solange wir halbwegs zurecht kommen. Andere Ursachen mögen Bescheidenheit und Idealismus sein. Ich schlage vor, daß wir die Bescheidenheit und den Idealismus einmal für eine Weile an unsere Sozialpartner delegieren: an Verleger, Chefredakteure und Intendanten.

Es mag manchen von uns trösten, daß er möglicherweise Ewigkeitswerte schafft, dieser Trost sei ihm unbenommen, wenn er uns nicht hindert, uns hier und heute, gestützt auf diesen Gesamtverband, Gedanken darüber zu machen und einmal öffentlich darzulegen, wie wir unser Geld eigentlich verdienen. (…) In Wirklichkeit sind wir tarifgebundene Mitarbeiter einer Großindustrie. (…) Machen Sie sich klar, welche Lobby oder Gewerkschaft uns zukäme an Stelle der bescheidenen Regionalverbände, die bei einem Stadtoberhaupt oder einem Kultusminister ein paar tausend Mark zusammenschnorren mußten, damit sich deutsche Dichterinnen und Dichter wieder einmal in ihrer rührenden Ewigkeitswertigkeit öffentlich präsentieren konnten.”

Staat und Gesellschaft würden sich einen Dreck um eine unsolidarische Minderheit der Schriftsteller scheren, die, solange sie aus dem „Resolutionsprovinzialismus” nicht herauskämen, sich mit ein paar hingestreuten Lorbeerblättern begnügen dürften. Mit Zahlen und konkreten Beispielen belegt Heinrich Böll ausführlich das „System und Problem der Ausbeutung” der Schriftsteller und zeigt auch die fatale Situation der Übersetzer:

„Es ist schon nicht mehr absurd, es ist irrsinnig, daß Umwelt und Gesetzgeber, die dauernd mit den Produkten dieses merkwürdigen Wesens Schriftsteller konfrontiert sind, nicht nur so wenig, sondern gar nichts von den Umständen zu wissen scheinen, unter denen dieses Wesen arbeitet. (…) Und warum erlöscht die Schutzfrist? Wenn vor siebenhundert Jahren ein hübsches Bauernmädchen dem Herzog gefiel, er es zum Kebsweib nahm, später zur Gräfin erhob, ihr einen Landbesitz mit Schloß schenkte, so gehören Schloß und Landbesitz noch heute den gräflichen Nachkommen jener hübschen Bauernmaid, obwohl die Dienstleistung, der sie ihn verdanken, schon fast ein Jahrtausend zurückliegt. Und wehe dem, der diesen Privatbesitz antasten möchte! Ich sehe nicht ein, wieso die mehr oder weniger großen Provinzen, die wir uns erschreiben, siebzig Jahre nach unserem Tod der Allgemeinheit übergeben werden.”

Auszüge aus der Satzung:

§ 1 Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) ist als Berufsorganisation deutschsprachiger Schriftsteller tätig.

§ 3 Der Verband hat den Zweck, die kulturellen, rechtlichen, beruflichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder zu fördern und zu vertreten sowie die internationalen Beziehungen der Schriftsteller zu pflegen.

§ 4 Der Verband tritt für praktizierte Demokratie, insbesondere für die Freiheit der Meinungsäußerung, ein.

§ 5 Mitglied kann jeder deutschsprachige Schriftsteller und jeder Erbe eines solchen Schriftstellers, der dessen Urheberrechte wahrnimmt, (…) werden, sofern das fachliche Können des Schriftstellers durch eine Buchveröffentlichung, die Sendung eines Hör- oder Fernsehspiels, die literarische Mitarbeit bei einer Rundfunkanstalt oder bei der Presse, die Aufführung eines Bühnenwerkes, die literarische Tätigkeit als Übersetzer oder entsprechende schriftstellerische Tätigkeit nachgewiesen ist. (…)

Außerhalb der Bundesrepublik wohnende deutschsprachige Schriftsteller können unmittelbar in den Verband eintreten (…).

Weitere Sondersparte: Verband deutschsprachiger Übersetzer

Die 70er: Schriftstellerkongresse in der Anfangsphase des VS / Aufbruchstimmung / Erfolge

Erster Schriftstellerkongress des VS in Stuttgart 1970 und die Ereignisse im Vorfeld

Das Thema des Stuttgarter Kongresses im November, das von Heinrich Böll in einer Rede ausgeführt wird, lautet: „Einigkeit der Einzelgänger”. Zuvor finden zahlreiche Besprechungen zwischen VS und Politikern/Gewerkschaftern statt.

Im November 1969 verhandelt der VS-Vorstand mit CDU-Kulturpolitikern über die Novellierung des Urheberrechtsgesetzes. Im Februar 1970 führen Günter Grass, Siegfried Lenz, Paul Schallück, Gerhard Zwerenz und Dieter Lattmann für den VS in Düsseldorf auf Einladung des Vorsitzenden Heinz Oskar Vetter Gespräche mit dem DGB, der u. a. seine Unterstützung der Urheberrechtsnovelle als Basis des geplanten Sozialwerks der Autoren zusagt. Unmittelbar darauf beschäftigt sich der Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion mit den Forderungen der Schriftsteller, es kommt zu Beratungen mit dem VS-Vorstand in Bonn. Im März besprechen führende CDU-Politiker (u. a. Fraktionschef Rainer Barzel) die sozialen und urheberrechtlichen Forderungen der Schriftsteller mit einer VS-Delegation. Die erste Ausgabe der VS-Informationen erscheint. Auf der ersten Delegiertenversammlung des VS in der Bahnhofsgaststätte des Hauptbahnhofs Hannover (11.4.1970) kommen 27 Delegierte (eine/r pro 100 Mitglied) und der Vorstand zusammen. U.a. wird ein Ausschuss für Kinder- und Jugendbuchautoren gegründet, Sprecher Hans-Georg Noack.

Auf der 44. Sitzung des 6. Deutschen Bundestags (April 1970) sprechen sich alle drei Fraktionen für die Verbesserung der sozialen und urheberrechtlichen Lage der Autoren aus, im Stuttgarter Rathaus diskutieren VS-Autoren unter Leitung von Thaddäus Troll mit Bildungsminister Horst Ehmke über das Thema „Das Verhältnis der schöpferischen Intelligenz zur politischen Macht”.

Mit den Intendanten der ARD werden Gespräche über angestrebte Musterverträge diskutiert. Die Forderung des VS nach Änderung des Urheberrechtsgesetzes steht als Antrag von CDU- und SPD-Abgeordneten im Bundestag an, beim Schulbuchparagraphen und den Bibliothekstantiemen werden Änderungen vorgenommen. Im Juni bringen auf Betreiben des VS die Bundestagsfraktionen von SPD und FDP einen erweiterten Antrag auf Novellierung des Urheberrechtsgesetzes ein. Auf der Frankfurter Buchmesse ist der VS am Messerat beteiligt, Messeratsvorsitzender ist Helmut M. Braem aus dem VS-Vorstand. Bundespräsident Gustav Heinemann empfängt im September eine Abordnung von VS-Autoren, um sich über die berufspolitischen Ziele der Schriftsteller zu informieren. Auf dem Schriftstellerkongress in der Stuttgarter Liederhalle redet Bundeskanzler Willy Brandt, 4000 drängen in die Halle, nur etwa 2500 finden Einlaß.

20.-23. November 1970 : 1. Schriftstellerkongreß des VS in der Stuttgarter Liederhalle

Vorsitzender des VS wird Dieter Lattmann, zu seinen Stellvertretern werden Reinhard Baumgart, Thaddäus Troll, Helmut M. Braem und Ingeborg Drewitz gewählt, Justitiar Wilhelm Nordemann.

Wichtigster Beschluss des Kongresses ist der Auftrag an den Vorstand, „in Kontakt mit dem DGB, andererseits mit der IG Druck und Papier sowie der Gewerkschaft Kunst die Voraussetzungen zu klären, unter denen im Lauf der weiteren Entwicklung – arbeitnehmerähnlicher Status, Tariffähigkeit – aus der Phase der Kooperation der Anschluss an eine Gewerkschaft unter Wahrung der Selbständigkeit einer Fachgruppe hervorgehen kann.” (angenommen mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung).

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VS-Bundesvorstandssitzung 1974: Hannes Schwenger, (unbekannt), Ursula Brackmanns Stirn, Ursula Bräuning, Carl Amery, Uwe Friesels Oberkopf, Johannes Poethen, (unbekannt); stehend Helmut Braem und (unbekannt).

Martin Walser: „IG Kultur?“ Auszug:

„Im Zeitalter des beginnenden Medienverbunds, im elektronischen Zeitalter, wird der literarische Autor mit seinem Urheberrecht eine noch komischere Figur werden.(…) Wir wollen Unterschlupf finden bei der IG Druck und Papier.(…) Der VS wirkt als Lobby und hat sofort bei allen Fraktionen durchschlagenden Erfolg. Wieso (…) noch gewerkschaftlich organisieren?
Die meisten von uns sind an kleine und mittlere Verlage gebunden und können jeden Tag aufwachen im Portefeuille eines Konzerns. Unsere Urheberrechte schützen uns nicht davor, daß wir verhökert werden im Paket und danach vielleicht sofort abgeschrieben werden auf Null. Das heißt, das Urheberrecht ist ein windiger Schutz. (…) Dieser Perspektive muß unsere Organisation gerecht werden. Das heißt, auch Gewerkschaften können nicht bleiben, was sie sind. Es ist ohnehin nicht einzusehen, warum die Gewerkschaften nur in der Geldwirtschaft selbst zum Monopolisten werden und in der Kulturindustrie peripher vegetieren. Vielleicht glauben die Gewerkschaften immer noch nicht, daß es sich da, wo Kunst und Information produziert werden, tatsächlich um eine Industrie handelt. (…) Ich glaube, nur eine IG Kultur kann aus dem Grüppchen-Wesen eine Gruppe machen, die den Multimedia-Konzernen gewachsen ist. (…) Ich halte den Schritt in die IG Druck und Papier allenfalls für einen Anfang.”

Günter Grass: „Schriftsteller und Organisation“.

Auszug:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Anrede weist darauf hin, dass Schriftsteller und Gewerkschafter zumindest dieses gemeinsam haben: Sie berufen sich aufs Kollegiale. (…) Unkollegiales Verhalten wird gerügt. Im übrigen stehen sich beide Gruppen, die kleine Individualistenvereinigung der Schriftsteller und die Massenorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zwiespältig gegenüber. (…) Die Angst vor zu straffer Organisation begegnet der Angst vor allzu beliebigen Einfällen, vor allzu verstiegener Sprache, vor allzu besserem Wissen. (…) Erste Verhandlungen mit dem DGB zeigen an, wie fragwürdig wir sind, sobald die Gewerkschaft uns in Frage stellt. Sind wir tariffähig? Sind wir tarifwillig? (…) Wir werden also, wenn wir nur wollen, in absehbarer Zeit tariffähig und als VS entweder innerhalb der Gewerkschaft Kunst oder innerhalb der IG Druck und Papier gewerkschaftlich organisiert sein können. Aber wollen wir auch? Ist Schriftstellern jenes Mindestmaß an Solidarität geläufig, das den Gewerkschaften selbstverständliche Basis ist? (…) Nicht wir, die Gewerkschaften gehen das größere Risiko ein. Allzu oft hat sich Schriftstellern nach kurzatmiger Begeisterung der Absprung ins Unverbindliche angeboten. Beredter Hochmut und detailbesessene Besserwisserei waren schon immer gastliche Gehäuse, wenn es darum ging, aus laut verkündetem gesellschaftlichen Engagement klammheimlich den Rückzug anzutreten. So sehr ich aus tarifrechtlichen wie gewerkschaftlichen Gründen für die Aufnahme des VS in die Industriegewerkschaft Druck und Papier plädiere, so eindringlich und notwendigerweise überspitzt müssen die Gewerkschaften vor uns gewarnt werden …”

Willy Brandt: „Demokratie und Sprache“

Auszug:

„Seit der Gründung des Verbands deutscher Schriftsteller sind erst anderthalb Jahre vergangen. Ich finde es erstaunlich, daß in so kurzer Zeit etwas so Ungewöhnliches gelungen ist: nämlich die Solidarisierung so vieler Menschen, denen häufig nachgesagt wird, sie seien notorische Individualisten, gesellschaftsferne Einzelgänger oder esoterische Außenseiter.(…) Ihr Verband hat von Anfang an erklärt, daß er für die praktizierte Demokratie eintritt, insbesondere für die Freiheit der Meinungsäußerung. Also haben Sie noch einmal, von einer anderen Seite, deutlich gemacht, weshalb und wie sehr der Schriftsteller die demokratische Politik braucht. (…) Geist und Macht, das angeblich strenge Gegensatzpaar, üben oft und gerne Rollentausch. Denn so mächtig der Einfluß der Politik auf die Gesellschaft sein mag, längst hat sie ihre Macht teilen müssen: gerade Sie als Schriftsteller sollten Ihren Einfluß nicht unterschätzen. (…) Demokratie und Sprache stehen in einem direkten Zusammenhang. Gute Politik braucht die Literatur als sprachliches Korrektiv. Je enger der Kontakt zwischen Literatur und Politik, um so besser ist das Sprachbewußtsein. Besseres Sprachbewußtsein bedeutet mehr Aufgeschlossenheit für Demokratie.”

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VS-Bundesvorstandssitzung 1974 (von links um den Tisch herum): Ursula Brackmann, Fred Viebahn, (unbekannt), Helmut Braem, Carl Amery, Uwe Friesel, Johannes Poethen, (unbekannt).

Zweiter Schriftstellerkongress des VS in Hamburg 1973 / Anschluß an die IG Druck und Papier

Rund 500 Schriftsteller und Journalisten nehmen zwischen dem 19. und 22. Januar 1973 am Kongress im Besenbinderhof in Hamburg teil. Die Teilnehmerliste enthält praktisch alle damals bekannten oder später erst bekannt gewordenen Namen der westdeutschen Literaturszene. Die Dokumentation „Entwicklungsland Kultur” (=Kongreßmotto) enthält alle Namen, die Daten, Fakten, Beschlüsse und Reden.

Im Vorfeld gibt es in der Presse und im Fernsehen ausführliche Berichte zur Lage der Schriftsteller, der VS hat mehr Öffentlichkeit für seine Forderungen hergestellt als wohl irgendein deutscher Schriftstellerverband zuvor. Im März findet im Bonner Bundeshaus eine öffentliche Anhörung zur Urheberrechtsnovelle statt, für den VS sprechen Wilhelm Nordemann und Dieter Lattmann.

Nach eingehender Beratung der VS-Vorstandsbeauftragten Reinhard Baumgart, Ingeborg Drewitz und Dieter Lattmann für die Gewerkschaftsverhandlungen mit DGB, Gewerkschaft Kunst und IG Druck und Papier legt der VS-Vorstand in den VS-Informationen 2/71 die „Modellvorstellung für den Anschluss des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) an die Gewerkschaft” vor. In den VS-Landesgruppen wird das Thema kontrovers diskutiert.

Am 7.7.71 hebt das Bundesverfassungsgericht den Schulbuchparagraphen auf, somit steht Autoren für die Veröffentlichung ihrer Texte in Schulbuchanthologien doch eine angemessene Vergütung zu. Mit dem Erfolg dieser Verfassungsklage setzt der VS einen der wichtigsten Punkte seiner Forderungen durch.

Anhand der „12 Fragen des VS an die IG Druck und Papier und die Gewerkschaft Kunst” setzt die VS-Vorstandsdelegation die Verhandlungen mit den Gewerkschaften fort. Favorisiert wird der VS-Anschluss in Form von Einzelmitgliedschaften, was bei der Gewerkschaft Kunst nicht möglich ist.

Auf der VS-Delegiertenkonferenz in der Akademie der Künste in Berlin am 4. 11. 1971 stimmen von 32 Delegierten 26 für den Anschluß des VS an die IG Druck und Papier. Am selben Tag faßt in Bonn der Bundestagsausschuß für Bildung und Wissenschaft einen positiven Beschluß zur Urheberrechtsnovelle, was von den in Berlin versammelten Schriftstellern stürmisch begrüßt wird. Nach der Zustimmung durch den Bundesrat am 6. 10. 1972 ist die vom Deutschen Bundestag verabschiedete Urheberrechtsnovelle perfekt: Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 haben die Autoren Anspruch auf Honorare aus der Buchausleihe aller öffentlichen Bibliotheken. Die Hälfte der Einnahmen aus dem „Bibliotheksgroschen” soll dem Autorenversorgungswerk zufließen und somit sozialen Zwecken dienen.

Der Abstimmungsergebnis der VS-Delegiertenkonferenz in Berlin mobilisiert konservative Autoren im VS zur Gegenwehr. „Mit dem Alarmruf, der geplante Weg führe `ins Chaos´ sperrte sich vor allem in Bayern ein Teil der Literaten gegen den Beitritt zu einer `Richtungs-Gewerkschaft´. Als die Opponenten bei der Mehrheit ihrer Kollegen kein Gehör fanden, gründeten sie einen `Freien Deutschen Autoren-Verband´. Doch die von außen gesteuerte Spaltung des VS mißlang. Nur etwa 50 Autoren liefen Lattmann von der Fahne.” (Peter Pragal, Für Dichter und Denker ein Pakt mit den Druckern, Süddeutsche Zeitung, 22.01.1973)

Den FDA gibt es bis heute, er gilt als konservativer Autorenverband, die meisten und vor allem die renommierten Schriftsteller gehören dem VS oder keinem Berufsverband an. Der VS stellt als Aufnahmekriterium wesentlich höhere Anforderungen an das fachliche Können als der FDA.

Nach der vorzeitigen Auflösung des Deutschen Bundestages finden Neuwahlen im November statt, so dass der zu diesem Termin geplante Schriftstellerkongress auf den Januar verschoben wird. Der Kongress wählt Dieter Lattmann zum VS-Vorsitzenden, Reinhard Baumgart, Martin Gregor-Dellin, Horst Bingel und Ingeborg Drewitz zu seinen Stellvertretern.

Wichtigster „Beschluss der VS-Mitgliederversammlung auf dem Schriftstellerkongress in Hamburg am 20. Januar 1973: Anschluß des VS an die IG Druck und Papier”.

Auszug:

„Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) kann angesichts der Abhängigkeit der Autoren von ihren Auftraggebern die in seiner Satzung beschriebenen Ziele am wirkungsvollsten dadurch erfüllen, dass er sich in einem größeren Zusammenhang gewerkschaftlich organisiert. (…) Die Autorenfachgruppe trägt die Bezeichnung: Verband deutscher Schriftsteller (VS) in der IG Druck und Papier. Der VS setzt seine bisherige Arbeit so gestärkt fort. Im übrigen sehen die auf dem Schriftstellerkongress versammelten Autoren im Anschluss an die IG Druck und Papier nur den ersten Schritt auf dem Weg zur gemeinsam mit anderen Organisationen der kulturellen Bereiche angestrebten Gründung einer IG Medien, die vor allem auf der IG Druck und Papier und der Gewerkschaft Kunst fußen soll. Der Schriftstellerkongress appelliert an die in den Medien tätigen Urheber und technischen Mitarbeiter, die Mediengewerkschaft möglichst bald zu verwirklichen.”

Gesamtstimmen: 303 davon: Ja = 275 Nein = 19 Enthaltungen = 9

Auszüge aus der neuen Geschäftsordnung, die sich in inhaltlichen Punkten weitgehend nach der Satzung des VS e.V. richtet:

§ 1 (1) Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) ist die Berufsgruppe der deutschsprachigen Schriftsteller in der IG Druck und Papier.

(2) Der VS hat den Zweck, die kulturellen, rechtlichen, beruflichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder in Übereinstimmung mit der Satzung der IG Druck und Papier und den Zielen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu fördern und zu vertreten sowie die internationalen Beziehungen der Schriftsteller zu pflegen.

§ 2 (1) Mitglied kann jeder haupt- oder nebenberufliche deutschsprachige Autor werden, sofern sein fachliches Können (…> wie Satzung VS e.V.) nachgewiesen ist.

(2) Bei Aufnahme von Autoren oder Autorenerben muß die Zustimmung der VS-Berufsgruppe vorliegen.

(3) Im Ausland wohnende Mitglieder des VS werden beim Bundesvorstand geführt.

(5) Die VS-Mitglieder in der IG Druck und Papier sind in der Ausübung ihres Berufes völlig frei. Sie sind insoweit den Anschlußbestimmungen der Satzung der IG Druck und Papier nicht unterworfen. Was und wie sie arbeiten, ist ihre eigene Angelegenheit.

Themen / Reden:

Das Hauptreferat für die öffentliche Abendveranstaltung unter dem Thema „Entwicklungsland Kultur” hatte der fast 90jährige Ernst Bloch übernommen, war zwei Tage im voraus angereist, um seine – bei wachestem Geist – begrenzten physischen Kräfte zu schonen. Am ersten Abend nahm er noch an einer Veranstaltung teil, musste dann aber die weitere Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Reinhard Baumgart: „Warum IG Druck und Papier? – Ein Resümee nach zwei Jahren Verhandlungen“

Auszug:

„Auf dem Kongreß in Stuttgart kursierte nur ein einziges entschlossenes Papier, das offen den Anschluß des VS an die IG Druck und Papier empfahl, unterzeichnet unter anderem von Böll, Enzensberger, Hitzer, Hochhuth, Johnson, Runge und auch von Martin Walser. Doch gerade Martin Walser proklamierte dann in seinem Referat auf der Abendveranstaltung in Stuttgart etwas offenbar ganz Anderes, Anspruchsvolleres, das Projekt einer `IG Kultur´. Damit war der scheinbare Widerspruch zwischen der kleinen Lösung – Anschluß an eine bestehende Gewerkschaft – und einer großen Lösung – Gründung einer neuen Mediengewerkschaft – in die Welt gesetzt. (…)

Gälte es hier über die nächste Zukunft des Schriftstellerverbandes abzustimmen, dann wäre das Wort `Jahrhundertentscheidung´ um einige Nummern zu groß gegriffen. Zur Entscheidung steht aber morgen auch die IG Medien oder IG Kultur …”

Martin Gregor-Dellin: „Wie abhängig ist der Autor?“

Auszug:

„Als Heimarbeiter der Kulturindustrie ist er heute zum Anachronismus geworden, doch wird er nicht ganz zu beseitigen sein. Große Entwürfe, Ideen, Kunstwerke, Untersuchungen, entstehen nicht während der Bürozeiten, selten im Auftrag, und für die Abende und Wochenenden reicht in der industriellen Gesellschaft mit ihrem Lärm und Verschleiß die Kraft nicht mehr aus. Sein Geld aber wächst nicht mit der Geldentwertung und den Tarifabschlüssen, und der subventionierte freie Autor ist ein Widerspruch in sich. Es ist nicht die Frage, ob die Gesellschaft noch Kunst braucht oder nicht. Das Problem schafft sich selbst aus der Welt. Die Verlockung, alles auf eine Karte zu setzen und sich wenigstens das Ende der Arbeitszeit nicht vorschreiben zu lassen, das heißt praktisch immer im Dienst zu sein, im Dienst einer selbstgewählten Sache – dieses Risiko, sich verkaufen zu müssen und vielleicht unverkäuflich zu sein, wird zwar immer gefahrvoller, verliert aber dennoch nicht seinen Sinn für jene, die es eingehen, und für jene, die davon profitieren. Autoren vermehren nicht nur die imaginäre Bibliothek des Weltgeistes, sie setzen auch eine Kommunikations-Wirtschaft in Gang, deren jährliches Bruttosozialprodukt – von den Druckereien, Verlagen, Papierfabriken bis zu den Leseringen, Rundfunkanstalten und Medienkonzernen – noch nicht errechnet ist.”

Siegfried Lenz: „Das Dilemma der Außenseiter“

Auszug:

„Literatur zu entbehren kommt offenbar keinem als Mangel vor, dessen täglicher Mangel bestimmt ist durch die Sorge ums Sattwerden und Warmwerden, – immerhin zwei Drittel der Weltbevölkerung. Für die meisten heißt also notgedrungener Verzicht auf Literatur nicht auch automatisch Verzicht auf Leben. Schaut man sich so die Zahlen an, dann wird man zugeben müssen, daß wir auf unserem Feld nicht allzu weit gekommen sind: immer noch sind es sehr wenige, die einen umstrittenen Bedarf von wenigen decken.
Ich weiß: Uns beschäftigen heute vorsätzlich naheliegende Fragen. Wir müssen entscheiden, ob es sich wiederholen darf, daß ältere Kollegen in Armut sterben, während der Umsatz unserer Produkte allein in diesem Land an die Dreimilliarden-Grenze heranreicht. Wir haben festzustellen, daß nicht wir es sind, die über herrschaftliche Verteilermittel verfügen, und wir müssen versuchen, Schlußfolgerungen aus dieser Abhängigkeit zu ziehen. (…) Doch auch wenn diese Fragen uns durch Dringlichkeit zusetzen, sollten wir uns einen Blick bewahren für das weiterreichende Dilemma, in das der Schriftsteller zunehmend geraten ist: es ist das Dilemma des Außenseiters. Es ist der Zwiespalt des notorischen Individualisten, der von erhöhtem Sitzplatz die Untauglichkeit der Welt kommentiert, – ohne Rücksicht darauf, wer ihm zuhört, was er damit erreicht. (…) Ich meine, wir hätten uns längst eingestehen müssen, daß unsere individuellen Möglichkeiten nicht ausreichen, um die erkannten universellen Aufgaben lösen zu helfen. Und dies erweist sich mehr und mehr als unser Dilemma: gegen übermächtige, anonyme Herausforderung setzen wir den gutgemeinten Protest eines Namens. (…) Ich glaube, wir können uns nicht genug daran erinnern, wie wenig wir als Einzelne erreicht haben. (…) Es ist eine politische Besorgnis, aber die müssen wir aufbringen, wenn wir nicht zum Anachronismus werden wollen.Und schon melden sich unsere Allergien, schon werden Vorbehalte gegenüber dem Politischen laut, schon fürchten die Außenseiter, daß ihr kritisches Talent anästhesiert werden könnte: es wäre ja möglich, daß die Literatur an der Politik Schaden nähme. Machen wir uns nichts vor (auch wenn einige puristische Liebhaber dieser Ansicht sind): Niemand wird Schaden nehmen, wenn die Qualität der Literatur schwankt; aber alle werden Schaden nehmen, wenn die Qualität der Politik zu wünschen übrig läßt. Ich meine, es ist an der Zeit, die Vereinbarkeit von literarischem und politischem Handeln festzustellen. (…)Wer politisch effektiv handeln will, kommt heute ohne Organisation nicht aus, – und wenn wir noch soviel Sodbrennen bekommen bei diesem Wort.”

Weitere Kongressbeiträge:

Klaus von Dohnanyi (Bundesminister für Wissenschaft und Bildung): Entwicklungsland Kultur

Hans Erich Nossack: Das Engagement der Intellektuellen

Angelika Mechtel: Kulturgesellschaft mit beschränkter Haftung

Leonhard Mahlein (1.Vorsitzender der IG Druck und Papier): Tatsachen

Reinhard Philipp (Hamburger Kultursenator): Denkwürdige Tage in Hamburg

Arbeitspapiere zu den Themen „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt” (Horst Kammrad), „Restauration – nicht nur im Theater” (Erasmus Schöfer), „Autoreneigene Verlage” (Joachim Seyppel)

Dritter Schriftstellerkongress des VS in der IG Druck und Papier

Auf dem 3. Schriftstellerkongreß, in Frankfurt/Main 15. – 18. November 1974, stehen wichtige doch nicht ganz so spektakuläre Themen wie in Hamburg auf dem Programm. Die Teilnehmerliste verzeichnet nichtsdestotrotz an die 500 Schriftsteller und Journalisten aller Bekanntheitsgrade. Als Gast spricht Bundespräsident Walter Scheel. Dokumentiert ist der Kongress in dem Band „Phantasie und Verantwortung”.

Zum Vorsitzenden wird Horst Bingel gewählt, seine Stellvertreter heißen Martin Gregor Dellin und Helmut M. Braem, Beisitzer sind Johannes Poethen, Fred Viehbahn, Dieter Lattmann und Wolfgang Weyrauch.

Themen / Reden / Beschlüsse:

„Die Gründerzeiten sind im Verband deutscher Schriftsteller (VS) vorbei, jetzt folgt die Zeit geduldiger Kleinarbeit. Dazu bedarf es der Unterstützung jedes einzelnen Kollegen.„, schreibt Horst Bingel im Nachwort der Kongreß-Dokumentation und nennt als Perspektiven der VS-Arbeit für die nächsten drei Jahre: Tarifpolitik, Bildung der Mediengewerkschaft, Verwirklichung der Bibliotheksabgabe, Basisarbeit in den Landesbezirken, Einsatz für Minderheiten im VS, Verbesserung der Honorarsituation, Ausbau internationaler Beziehungen in West und Ost, Befreiung der Autoren von der Mehrwertsteuer, u.a.

Auf die Rede von Walter Scheel, „Gemeinsame Verantwortung von Politik und Literatur für die demokratische Ordnung”, antwortet Walter Jens, seine Rede trägt den Titel „Wir Extremisten”.

Aus der Rede von Walter Scheel:

„Der Bürger im allgemeinen und der Schriftsteller im besonderen werden sich im `Wesen und in der Last´ unseres Rechtsstaates nur zurechtfinden, wenn sie die elementare Option für oder gegen die freiheitliche Grundordnung getroffen haben. Eine solche Option ist notwendig, wenn wir die geistige und politische Konfusion unserer Tage überwinden wollen.
Wer auf der Seite dieser freiheitlich-rechtlichen Grundordnung steht, kann Mord und Terror als Mittel des politischen Kampfes nicht hinnehmen.(…)Ich bin sicher, daß die Bundesrepublik Deutschland ihre freie Ordnung bei strenger Wahrung rechtsstaatlicher Grundsätze verteidigen kann.Ich bin ebenso sicher, daß die Mehrheit ihrer mündlichen Bürger die Bundesrepublik nicht im Stich lassen wird, wie einst die Weimarer Republik im Stich gelassen wurde.Ich bin sicher, daß Sie, die deutschen Schriftsteller, sie nicht im Stich lassen werden.”

Aus der Rede von Walter Jens:

„Das Präsidium unseres Verbandes hat mich gebeten, Ihnen, Herr Bundespräsident, dafür zu danken, daß Sie zu uns gekommen sind, zu danken, daß Sie eine Rede gehalten haben, deren Bedeutung offenkundig wird, wenn man bedenkt, daß Ihr Herr Vorredner, das letzte deutsche Staatsoberhaupt, das sich dezidiert mit Fragen der Literatur auseinandergesetzt hat, Friedrich der Große war: 1780, de la littérature allemande. (…) Unter solchen Aspekten ist es kein Wunder, daß die Schriftsteller in unserem Land – politisch mißachtet und ohne Einfluß in der Gesellschaft – jahrhundertelang das Leben von Parias führten. – Jens bringt Beispiele der Beachtung der Schriftsteller in anderen Ländern. – Nein, machen wir einander nichts vor. Es hat in unserem Land, von Lessing bis zu Heinrich Mann, von Forster bis Brecht zwar Literaten gegeben, die ihr Handwerk als ein politisches verstanden; aber eine Tradition aufklärerischer, realitätsbestimmender Literatur gibt es nicht: Wenn wir´s nicht wüßten, dann erfahren wir´s jetzt – in einem Augenblick, wo, im Zeichen des Neokonservatismus, Literatur wieder einmal auf `Dichtung´ reduziert werden soll. (…) Wir dürfen, zum ersten, nicht wehleidig sein: Selbst der infamste Angriff – Böll und Walser als Helfershelfer der Anarchisten – ehrt uns mehr als der Applaus, den man denjenigen zollt, die nichts als Hofnarren sind; Kabarettisten, deren Aussagen politische Relevanz nur im Sinne der Herrschenden haben; als Alibi, daß Meinungsfreiheit regiert. Ein Siemens-Konzern, der vor Gericht gehen muß, bestätigt die Wirksamkeit von Literatur. Ein Konzern, der Delius durch den Bundesverband der Deutschen Industrie auszeichnen läßt, bescheinigt, daß Poesie einflußlos ist. Dies ist das eine. Das zweite: Wir Schriftsteller, die wir uns als bürgerliche Demokraten verstehen, sollten die Behauptung unserer Gegner, daß wir radikal seien, nicht als Beschimpfung, sondern als Ehrenerklärung verstehen. (…)”

Günter Wallraff: Autoren – Radikale im öffentlichen Dienst

Auszug: „Literatur muß sich in dieser Zeit der Entscheidungen entscheiden: sie kann sich zur Delikatesse einiger weniger machen, sich blasiert, versnobt, arrogant und zynisch über die Probleme, Ängste, Hoffnungen, Interessen und Sehnsüchte der Vielen hinwegsetzen. Sie kann, wie Brecht sagt: `den Menschen den Rauschzuständen, Illusionen und Wundern ausliefern. Sie kann die Unwissenheit vergrößern. Sie kann an die Gewalten appellieren, die ihre Kraft beim Zerstören beweisen und an die Gewalten, die ihre Kraft beim Helfen beweisen.´ In diesem Sinne haben wir `Radikale im öffentlichen Dienst´ zu sein.”

Helmut Heißenbüttel: Zur Kritik des Bildes vom Schriftsteller

Auszug: „Worauf ich hinaus will, ist klar. Darauf nämlich, dass es die Angehörigen dieses Berufes besonders schwer haben, sich zu organisieren. Nicht weil sie dazu unwillig wären. Selbst die, die Organisation im strikten Sinne abgelehnt haben, haben sich in Zirkeln versammelt, von den Romantikern bis zum Georgekreis. Sondern weil die Schwierigkeit darin liegt, dass das Bild vom Schriftsteller nicht als Berufskriterium zu verwenden ist. Das spielt überall da keine Rolle, wo bloße Gemeinschaft wichtiger ist als organisatorische Fragen, siehe PEN-Club oder Gruppe 47. (…) Wenn ich das Bild vom Schriftsteller zugrundelege, der in der Arbeit der Phantasie Verantwortung vermittelt und damit ein Risiko eingeht, das nur er allein tragen kann (…), dann kann ich nicht zu tariffähigen Grundlagen kommen. Denn jede Leistung würde sui generis sein. (…) Nun gibt es natürlich und hat es bereits seit langem gegeben die Gegenstimmen, die sagen, dass dieses Bild vom Schriftsteller eben ein falsches Bild sei. Walter Benjamin hat in seiner inzwischen berühmt gewordenen Rede `Der Autor als Produzent´ von 1934 (…) eine andere Vorstellung vom Schriftsteller gezeichnet.”

Ingeborg Drewitz: Bestandsaufnahme und Perspektiven

Auszug: „Es ist ja fast auf den Tag genau sieben Jahre her, dass ich mit der scharfen Kritik an der Ohnmacht in der Bundesvereinigung lose zusammengefaßten Schriftstellerorganisation der Bundesrepublik die Diskussion um eine übergreifende Schriftstellerorganisation in Gang gebracht habe, gedrängt von der Erfahrung als Berliner Vorsitzende, die mir die soziale Randexistenz der Mehrheit der Schriftsteller überdeutlich gemacht hatte, gedrängt aber auch von der Erfahrung, dass die Gruppe 47 nach fast zwanzig Jahren zur Repräsentation ermüdet und für die anstehenden sozialen Forderungen der Schriftsteller nicht tauglich war. (…)

Die euphorisch verkündete Einigkeit der Einzelgänger hat nicht standgehalten. Die politische Polarisierung in der Bundesrepublik hat vor den Schriftstellern nicht haltgemacht, eine Entwicklung, die schon aus der Weimarer Republik geläufig ist.(…)

Doch das Stückchen Utopie, das mit der Gründung des VS zur Realität wurde, das mit der leidenschaftlichen Teilnahme der Autoren an der Politisierung der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit fast selbstverständlich wurde, darf und wird nicht verloren gehen in der Diskussion um Vertretungsansprüche und Zuständigkeiten innerhalb des DGB. (…)

Denn haben die ersten Arbeitsjahre des VS die Gefährdung der Autorenfreiheit sichtbar gemacht und das Verantwortungsbewußtsein der Autoren in eigener Sache geweckt, so werden die kommenden Arbeitsjahre dem Schutz der Publikationsvielfalt, dem Schutz der Literatur, dem Schutz der Autorenfreiheit gewidmet sein müssen, ohne die es die Meinungsfreiheit einer Gesellschaft nicht geben kann.”

Carl Amery, Dank an Ingeborg Drewitz

Wenn uns das Schicksal edle dINGE BORGt,

So weiß man sich im Herzen drIN GEBORGen.

Der Literat, von INGEBORG umsorgt,

Trug durch Jahrzehnte leichter seine Sorgen.

Denn Sie trug mit! Der ganz besonDRE WITZ

Des Himmels gab sie uns als Halt und Stütze:

In jedem Rate stand ihr Vorstandssitz

(die bei ihr saßen, war´n oft wenig nütze!).

Nun zieht sie hin. Die zwanzigfach verdiente

Muße zur Muse sei ihr unbestritten

Doch wir, von ihr verwöhnte Bundeskinder,

Die sie betreute, tröstete und schiente –

Wir sehn sie ziehn aus unsrer Vorstandsmitten

Und weinen sanft in unsere Zylinder.

Ingeborg Drewitz wurde außer in die Vorstände in der Gründungs- und Anfangsphase auch 1976 und 1977 in den VS-Vorstand gewählt, ihre gescheiterte Kandidatur 1984 wirft bis heute Fragen auf.

Die 80er: Weitere Kongresse, Themen, Ziele, Auseinandersetzungen, Krisen

Wie der Vorsitzende Horst Bingel auf dem 3. Kongress schon voraussagte, ist die Zeit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre von „geduldiger Kleinarbeit” geprägt. Diese „Kuli-Tätigkeit im VS” (Jürgen Lodemann) leisten folgende Vorstände (und natürlich zahllose nichtgenannte Mitglieder des VS):

Carl Amery (Vorsitzender), Ingeborg Drewitz (Stellvertreterin), Josef Reding (Stellvertreter), Klaus Birkenhauer, Irmela Brender, Peter O. Chotjewitz, Uwe Friesel (Beisitzer), gewählt auf dem a.o. Bundesdelegiertenkonferenz Stuttgart, 22.-23.1. 1976

Bernt Engelmann (Vorsitzender), Ingeborg Drewitz (Stellvertreterin), Josef Reding (Stellvertreter), Carl Amery, Klaus Birkenhauer, Peter O. Chotjewitz, Johannes Stumpe (Beisitzer), gewählt auf dem Schriftstellerkongress Dortmund, 20.- 21. 5. 1977

Bernt Engelmann (Vorsitzender), Carl Amery, Peter O. Chotjewitz (Stellvertreter), Irmela Brender, Gerd E. Hoffmann, Werner Peterich, Jo Pestum (Beisitzer), gewählt auf dem Schriftstellerkongress München, 1.-2. 3. 1980

Bernt Engelmann (Vorsitzender), Jürgen Lodemann, Gerd E. Hoffmann (Stellvertreter), Irmela Brender, Angelika Mechtel, Rainer Petto, Karlhans Frank, Svende Merian (Beisitzer), gewählt auf dem Schriftstellerkongress Mainz, 11.-13. 3. 1983

Hans Peter Bleuel (Vorsitzender), Erich Loest, Gert von Paczensky (Stellvertreter), Jochen Kelter, Renate Chotjewitz-Häfner, Karin Hempel-Soos, Martin Buchhorn (Beisitzer), gewählt auf der Bundesdelegiertenkonferenz Saarbrücken, 31.3.- 1.4. 1984

Hans Peter Bleuel (Vorsitzender), Max von der Grün, Jochen Kelter (Stellvertreter), Lenelotte von Bothmer, Wolf Peter Schnetz, Angela Hoffmann, Gert von Paczensky (Beisitzer), gewählt auf dem Schriftstellerkongress Berlin, 14.-15. 5. 1986

Anna Jonas (Vorsitzende), Josef Reding, Angela Baumann (Stellvertreter), Günter Grass, Klaus Birkenhauer, Karlhans Frank, Johano Strasser (Beisitzer), gewählt auf der a.o. Bundesdelegiertenkonferenz Hamburg, 24.- 26. 9. 1987

Zu wichtigen Themen werden u.a. die Tarifpolitik, das Urheberrecht (Copyright), die Hilfe der Schriftsteller bei der Resozialisierung, Lesungen im Gefängnis, es erscheinen die Bände „VS vertraulich”. F.J. Strauß nennt Schriftsteller (und insbesondere Bernt Engelmann) „Ratten” und „Schmeißfliegen”. Heinrich Böll, selber von rechten Medien attackiert als Wegbereiter des Terrorismus („Die verlorene Ehre der Katharina Blum”), sagt nach monatelanger Bettlägerigkeit seine Teilnahme am 5. Schriftstellerkongress ab und schreibt an Engelmann: „Unvermeidlicherweise werden Sie sich auch mit Zoologie und deren Unterdisziplin Insektenkunde beschäftigen müssen, eine zu diesem Zeitpunkt wichtige Nebensache, die uns die Hauptsache nicht vergessen machen sollte: dass wir Autoren sind, freie Bürger der Bundesrepublik Deutschland.”

Neben dem inzwischen sehr schwierig gewordenen Verhältnis zwischen Politik und Literatur werden auch die Auseinandersetzungen innerhalb des VS intensiver, leider oft mit persönlichen Verletzungen und Diffamierungen verbunden. Immer wieder neu stellt sich die Frage nach der Gewichtung in der VS-Arbeit: Sozialpolitik für die Autoren, allgemeine politische Stellungnahmen, „reine” Literaturpolitik.

Diskussionen und Auseinandersetzungen gibt es auch im Zusammenhang mit dem Verhalten des VS gegenüber Schriftsteller-Dissidenten aus der DDR einerseits, zu den offiziellen Schriftstellerverbänden bzw. Regierungen in Osteuropa andererseits. Dem VS(-Vorstand) wird Anbiederung bei den östlichen Machthabern oder gar Klüngelei mit stalinistischen Verbrechern vorgeworfen, Vernachlässigung der aus der DDR ausgewiesenen Autoren, Verharmlosung des Terrors im Realsozialismus. Dabei wird das Engagement etwa Bölls in Sachen Solschenizyn
(u.a. Autoren aus dem Osten) gerne übersehen. Es gibt viele weniger spektakuläre Fälle; außerdem Autoren aus der DDR, die im VS sehr aktiv werden (z.B. Udo Steinke, der über viele Jahre VS-Vorsitzender in Schleswig-Holstein ist).

Auch über die Frage der gewerkschaftlichen Organisierung der Schriftsteller, anfangs von Grass, Walser u. a. heftig gefordert, gibt es kurz vor der Verwirklichung der IG Medien schwerwiegende Auseinandersetzungen.

Günter Grass, Anna Jonas und weitere (hauptsächlich Berliner) Autoren lehnen die große Mediengewerkschaft ab und fordern eine eigene Autorengewerkschaft unter dem Dach des DGB. Es kommt zum Eklat auf dem Kongress in Stuttgart 1988, Vorstandsmitglieder wie Anna Jonas, Günter Grass, Karlhans Frank und andere (ca. 50) Autoren verlassen den VS. Wohl zurecht werden Schriftstellerkongresse dieser Jahre (vor allem 1984, 1988) von der Presse, der Öffentlichkeit und von vielen im VS als „Schlammschlachten” wahrgenommen.

Die VS-Geschichtskommission ist seit 1991 damit beschäftigt, die Geschichte des VS und des SV (DDR) in der Zeit vor 1989 aufzuarbeiten.

Volker Erhardt (Sprecher des kommissarischen Bundesvorstands) und Uwe Friesel, VS-Vorsitzender nach dem 9. Schriftstellerkongress (beide waren schon bei dem zweiten Kongress in Hamburg dabei, als der VS sich für den Anschluß an die IG Druck und Papier entschieden hatte) übernehmen die schwierige Aufgabe, im VS integrativ zu wirken und den eingeschlagenen Weg in die Mediengewerkschaft fortzusetzen.

Denn trotz der etwa fünfzig (schmerzlichen) Austritte und z. T. bösartigster Medienschelte ist die große Mehrheit der Schriftsteller/Innen des VS zum Verbleib in der Gewerkschaft bereit.

Vier Fünftel der Delegierten in Stuttgart im Dezember 1988 fordern den VS-Vorstand auf, „weiter energisch dafür einzutreten, dass die Voraussetzungen für eine authentische Interessenvertretung der Schriftsteller in der IG Medien verbessert werden und die IG Medien insgesamt zu einem wirkungsvollen tarifpolitischen und kulturpolitischen Instrument gestaltet wird.”

Im April 1989 erfolgt dann die Gründung der IG Medien.

In der IG Druck und Papier waren Schriftsteller und Journalisten die einzigen „künstlerisch-publizistischen” Fachgruppen, in der IG Medien sind mehrere künstlerische und publizistische Fachgruppen (u.a. Bildende Kunst, Musik, Darstellende Kunst) mit Druckern, Papierverarbeitern usw. in einer Gewerkschaft vereinigt, unter Wahrung der Eigenständigkeit des Berufsverbands VS.

Konsolidierungsphase / VS in der IG Medien seit 1989

Kommissarischer Bundesvorstand (KBV)

Dezember 1988 – September 1989 (9. Schriftstellerkongress)

Nach dem Eklat gelingt es auf dem Kongress in Stuttgart nicht, einen neuen VS-Vorstand zu wählen. Die Delegierten fordern die Landesverbände auf, durch Delegation eines ihrer Mitglieder die Arbeit des Bundesvorstands bis zu Neuwahlen nach dem Umwandlungskongress der IG Medien zu übernehmen.

Mitglieder des KBV: Lore Schultz-Wild (Bayern), Hannes Schwenger (Berlin), Reinhold Dey (Hamburg), Renate Chotjewitz-Häfner (Hessen), Volker Erhardt (Niedersachsen), Volker W. Degener (NRW), Wendel Schäfer (Rheinland-Pfalz), Arnfried Astel (Saarland), Udo Steinke (Schleswig-Holstein), Eike Schönfeld (Übersetzer), Axel Thormälen (Auslandsgruppe), Imre Török (BaWü)

Der KBV führt die Verhandlungen, die der vorangegangene VS-Vorstand begonnen hat, mit der Gewerkschaft Druck und Papier weiter, vor allem geht es um jene Eigenständigkeit des Schriftstellerverbands in der Gewerkschaft, die von den Autoren schon in der Anfangsphase des VS, trotz der immer wieder betonten Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisierung, gefordert wurde. Gerade einer der entschiedenen Verfechter gewerkschaftlicher Organisierung bei den ersten Kongressen, Günter Grass, verließ den VS ja mit der Befürchtung, der Schriftstellerverband würde in der großen Mediengewerkschaft untergehen, gar mundtot gemacht werden. Detlef Hensche (IG Druck und Papier, inzwischen Vorsitzender der IG Medien) schreibt nach den spektakulären Austritten: „Der Bruch tut weh. Er schadet allen außer denen, die aus unserer Uneinigkeit Nutzen ziehen. (…) Wir werden die Auseinandersetzung mit Problemen und Inhalten der Literatur aufgreifen müssen. Auch in der Gewerkschaft. Mag sein, dass der Streit am Ende doch noch produktive Folgen hat.”

Autoren-Stimmen 1989 :

Jürgen Lodemann:

„Ich hab´ im VS-Bundesvorstand unter Engelmann hautnah mitbekommen, was es heißt, geballtem NichtVerstehen ausgesetzt zu sein – immer wieder dem Mißverständnis dieses Verbandes als eine LiteraturGruppe. Peter Rühmkorf hat das kürzlich unübertrefflich auf den Punkt gebracht. Solange nicht nur die Feuilletons nicht begreifen, was die Fachgruppe VS ist und soll, sondern auch namhafte Autoren, sehe ich wenig Aussichten für eine wirksame VS-Arbeit. Aber diese Kuli-Tätigkeit gehört halt wiederum zu dem GanzUnten, für das sich die meisten GroßSchreiber zu fein sind, aus dem sie sich heraushalten. So ist dann leider auch die Literatur, die man von ihnen zu lesen kriegt.„ („die feder“)

Peter Rühmkorf:

„Die viel beschworene `Einigkeit der Einzelgänger´ ist ein Glaubensartikel, die geringe Solidarisierungsfähigkeit von Schriftstellern eine Erfahrungstatsache. Da ich einen von Verwertungsinteressen gelenkten Zweckverband nicht mit einer Vortragsbühne für meine inneren Stimmen verwechsele, fällt mir der Eintritt in die IG Medien leicht und der Abschied von dem alten Tante-Anna-Laden VS wie ein Stein vom Herzen. (…) Ein bisschen mehr Egalität wäre schon gut – die Freiheit eines Einzelgängers muß sich jeder für sich herausnehmen.„ („FAZ“)

Martin Walser:

„Wir, die Schriftsteller, meine ich, müssen uns ein bisschen zuständig fühlen für das, was der öffentlichen Meinung passieren kann in den Händen von Medien-Glücksrittern und Einflußnehmenden aller Art. Wenn die öffentliche Meinung in den Händen derer ist, die durch sie kontrolliert werden sollen, dann ist – um im Bilde zu bleiben – das Nervensystem unter Vollnarkose.
Es ist klar, jeder, der nicht in den Schriftstellerverband, nicht in die Mediengewerkschaft eintritt, erspart sich die Erfahrung der Praxis, die Mühsal des Konkreten, die Gemeinheit der Tagesordung. Der Weg zur Mediengewerkschaft ist schon ganz schön markiert mit Abspringern und Ausscherern und Abgeschreckten. Ich habe mich manchmal darüber gewundert, wie laut manche Schriftsteller aus dem Verband ausgetreten sind und wie leise sie drin waren.„ („FAZ“)

Bernt Engelmann:

„Fälschlich Totgesagte leben meist, so heißt es, ganz besonders lange. Demnach könnte sich der Verband deutscher Schriftsteller (VS), dem seit seiner Gründung vor zwanzig Jahren schon dutzendmal letzte Zuckungen, Tod und Begräbnis nachgesagt worden sind, nachgerade ein methusalemisches Alter erhoffen, und zwar nunmehr in der Industriegewerkschaft Medien, Kunst, Druck und Papier, deren organisatorischer Zusammenschluß im April auf ihrem ersten Kongress in Hamburg seinen Abschluß finden wird.
Auch die Mediengewerkschaft galt seit ihrer gedanklichen Zeugung im November 1970, als Martin Walser namens des VS eine `IG Kultur´ forderte, als totgeborenes Kind. (…) Bei alledem scheint, neben berechtigter Skepsis, hie und da auch Wunschdenken mit im Spiel zu sein, sowohl was den so oft totgesagten VS betrifft als auch, was die Zweifel an der Lebendgeburt der IG Medien angeht. Für diese Annahme spricht auch die Tatsache, dass von der jahrzehntelangen Zielstrebigkeit, zähen und durchaus erfolgreichen Arbeit des VS so gut wie nie die Rede ist, auch nicht von seiner – im Vergleich zu allen anderen Autorenschutzverbänden, die es hierzulande im 19. und 20. Jahrhundert gab, geradezu erstaunlichen – Stabilität. Hingegen wurde und wird jeder Konflikt im VS, diesem fast 2500 Mitglieder starken Berufsverband – z. Zt. ca. 3200 – der notorischen Einzelgänger, sensiblen Träumer und passionierten Querdenker, von unseren Medien stets zur finalen Katastrophe aufgebauscht.„ („vorwärts“)

Die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen dem Kommissarischen Bundesvorstand und der Gewerkschaft im Vorfeld der Gründung der IG Medien zeigen, dass die Befürchtungen der Gegner der großen Mediengewerkschaft übertrieben waren.

„Wir hatten sie immer gefordert, diese `IG Kultur´, wie Martin Walser sie einst nannte. Warum sollten wir ihr just in dem Moment den Rücken kehren, wo wir sie mit so viel Mühe und unter dem Druck so vieler Mißverständnisse und unverhohlener reaktionärer Interessen endlich erreicht haben? Der letzte, der sogenannte ´Berlin-Vorstand´ mit Anna Jonas und Günter Grass haben eine Menge dazu beigetragen, dass wir heute mit so viel Rechten und personell stark in der Mediengewerkschaft vertreten sind”, konnte Uwe Friesel, neuer VS-Vorsitzender, nach dem 9. Schriftstellerkongress in Frankfurt (1989) feststellen.

Auf der Grundlage des Würzburger Kompromisses (4./5. Oktober 1988) zwischen VS und Gewerkschaft erreicht der KBV die vom Schriftstellerkongress geforderten Verbesserungen für eine authentische Interessenvertretung der Schriftsteller in der IG Medien.

Weitere Punkte und Auszüge aus dem Arbeitsbericht des KBV auf dem 9. Schriftstellerkongress, zusammengefasst und vorgetragen von Volker Erhardt:

„wir haben einstimmig die auffassung vertreten, dass die ausgetretenen kolleginnen und kollegen vom VS nicht als gewerkschaftsgegner behandelt werden dürfen, sondern haben unsererseits die bereitschaft erklärt, weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten. es hat gespräche gegeben.

in der tarifkommission haben wir die politik der haustarifverträge bekräftigt.

gewerkschaftstag april 1989: auch die wichtige forderung des 8. VS-kongresses nach äußerungsfreiheit der fachgruppenvorstände wurde – gegen die empfehlung der antragsberatungskommission – verabschiedet.

erste bundesweite tagung zur literaturförderung in der bundesrepublik.

Europäischer Schriftstellerkongress – VS ist Gründungsmitglied:

„da die befürchtung besteht, dass bei den harmonisierungstendenzen in europa sich das britische recht durchsetzt, das den verwerter bevorzugt, urheber und verleger als `creators´ partiell gleichsetzt, wurde eine gemeinsame urheberrechtskampagne beschlossen und die einsetzung eines copyright-committees.

jeder austritt war ein verlust für den VS, ob namhafter autor oder nicht. wir sind schwächer als vorher, aber immer noch der einzige gewerkschaftliche autorenverband mit gewicht in der bundesrepublik. bei der absicherung und verbesserung der arbeits- und lebensbedingungen von autorinnen und autoren, bei der verbesserung der literatur- und kulturförderung, bei der entwicklung von programmen zur nachwuchsförderung und zur fachlichen weiterbildung von schreibenden, und nicht zuletzt bei der sozialen absicherung bei krankheit und im alter ist der VS heute auf seiten der literaturschaffenden der einzige ansprech- und verhandlungspartner von bedeutung.

wir haben versucht, eine möglichst gute grundlage für einen neuanfang zu schaffen, für ein `ende der zerstrittenheit´, für eine neue `einigkeit der einzelgänger´.”

Weitere Engagements:

Václav Havel

Mit drei Blumensträußen nach Prag protestiert der VS gegen die erneute Inhaftierung von Václav Havel. Er wird am 21. 2. 1989 zu neun Monaten Haft unter verschärften Bedingungen verurteilt, weil er einen Blumenstrauß auf dem Wenzelsplatz niedergelegt hat zur Erinnerung an den „Prager Frühling” (Selbstverbrennung von Jan Palach). Die VS-Blumen werden ins Gefängnis, zur Niederlegung auf dem Wenzelsplatz und an die Ehefrau geschickt, auf dem Gewerkschaftstag macht der VS eine Unterschriftensammlung und bringt eine Resolution an die Prager Regierung ein, die einstimmig verabschiedet wird.

Salman Rushdie

„Vielleicht werden wir `Kollegen´ erst lernen müssen, was Gewerkschaft ist. Kein schöngeistiger Debattierclub, sondern ein Interessendurchsetzungsapparat. Und keine moralische Instanz. Als Chomeini seinen Todesbefehl gegen Salman Rushdie erließ, haben die westlichen Schriftstellerverbände protestiert – nur nicht der VS. Es ist zweifelhaft, ob in Zukunft und in einem ähnlichen Fall die IG Medien einen Protest zustande brächten und ob er moralische Wirkung hätte.” Eines von vielen erschreckenden Beispielen, wie die Medien nach den Vorgängen in Stuttgart über den VS berichtet haben. Das Zitat stand nicht in einem erzkonservativen Blättchen sondern in „Die Zeit”, geschrieben von ihrem Cheffeuilletonisten.

Zufällig trifft sich der KBV gerade in den Tagen zu einer Sitzung, als das barbarische Urteil bekannt wird, und reagiert sofort. Presseerklärung, Teilnahme an internationaler Anzeigenaktion, Kontakt mit der Gruppe um Günter Grass, zum Verlag Kiepenheuer & Witsch und einiges, was wegen der erweiterten Todesdrohung bis heute hier unerwähnt bleibt. Der VS in der IG Medien und der Vorsitzende Uwe Friesel fahren mit Unterstützungsaktionen für Salman Rushdie (u.a. bei der Buchmessendiskussion) fort.

Relitarisierung

Zum Thema „Der VS und die Literatur” führt der Kritiker Heinrich Vormweg bereits auf dem 5. Kongress in München aus:

„Es steht noch immer so, dass ich mit der Frage gegen einen seit der VS-Gründung weitergeschleppten Grundkonsens verstoße. Der wenn auch schon etwas durchlöcherte Konsens besagt, der Verband kümmere sich ausschließlich um die `sozialen, rechtlichen und ökonomischen Arbeitsbedingungen der Autoren´ , unabhängig von irgendwelchen literarischen Wertungen (…) Dieser jedenfalls formell aufrechterhaltene Konsens jedoch ist nach meiner Überzeugung nicht ausreichend, und hat nach meiner Beobachtung gerade auch den sozialen und politischen Zielen des VS sogar schon geschadet. (…) Und der VS als die trotz aller Rückschläge und Einschränkungen dennoch lebendigste Schriftstellervereinigung in der Bundesrepublik muß sich im Grunde nur noch ausdrücklich und mit dem Mut zu Weiterungen zu etwas bekennen, was er teilweise schon praktiziert. Faktisch nämlich ist zur Sozialpolitik und zur allgemeinen Politik im VS eine noch undefinierte Art von Literaturpolitik längst hinzugekommen. (…) Wozu ich dringlich animiere, das hat ganz gewiß nicht das geringste mit qualitativer Zensur zu tun. Sondern es meint qualifizierte, aufs Schreiben und auf Literatur bezogene Diskussion, Kritik und Anregung, auf die übrigens fast alle aktiven VS-Mitglieder geradezu scharf sind. Sie ist für viele von ihnen Mangelware.

Es besteht die Gefahr, dass die VS-Mitgliedschaft nach und nach zu einem Status-Symbol für Autoren wird, die anders im Literaturbetrieb noch nicht vorangekommen oder ganz und gar chancenlos sind. Während die literarisch schon qualifizierten, gar die literarisch `interessanten´ Autoren sich vom VS allzu oft lieber abkoppeln.„ (in: „Bestandsaufnahme“, 1980)

In der Einladung zur Pressekonferenz im Vorfeld des 9. Schriftstellerkongresses schreibt Volker Erhardt, dass nach dem Ende der Satzungsstreitereien der VS sich nun wieder um existenzielle Aufgaben kümmern müsse. „dazu wird neben sozial- und tarifpolitischen aktivitäten in der bundesrepublik und in europa und medien- und kulturpolitischen akzenten im rahmen der IG MEDIEN auch die weichenstellung für eine stärkere literarische und literaturpolitische profilierung des VS gehören.”

Dass die im KBV begonnene, u. a. von Arnfried Astel heftig geforderte und geförderte Diskussion von den folgenden VS-Vorständen weitergeführt und in die Tat umgesetzt wurde, zeigen spätere Veranstaltungen wie das Dichtertreffen in Weimar, die Literaturkreuzfahrt, die Zusammenarbeit mit der Bundesakademie in Wolfenbüttel, die Lesung mit Texten zum Golfkrieg, die Gründung des Dachverbands der literarischen Fördervereine usw.

Auf Landesebene sind allerdings VS-Literaturveranstaltungen und die organisatorische wie künstlerische Mitwirkung des VS bei kleinen und großen Literaturveranstaltungen seit vielen Jahren selbstverständlich.

Gründungskongress der IG Medien

Im April 1989 (8.-15.4.) findet in Hamburg der 1. Gewerkschaftstag der IG Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst statt. Unter ihrem ersten Vorsitzenden Erwin Ferlemann kann die IG Medien ihre Arbeit aufnehmen. Ernst Breit, DGB-Vorsitzender: „Drucker und Tänzerinnen, Schriftsteller und Jongleure, Fernsehansagerinnen und Verpackungsmittelmechaniker geben hier zu erkennen, dass sie etwas gemeinsam haben und vieles gemeinsam wollen.” Ernst Breit ruft die IG Medien dazu auf, die literarische, künstlerische und journalistische Freiheit des einzelnen zu „verteidigen, erweitern, einfordern”.

Aus der Rede von Walter Jens auf dem Gründungskongress:

„Hier die streikerfahrenen zernarbten Erben Gutenbergs und dort die Einzelgänger, Leitartikelschreiber, Lyriker und Artisten aller Art; hüben die Majorität der Alteingesessenen und drüben die versprengten Grüppchen jener Novizinnen und Novizen, die nun nicht mehr für sich, sondern dem Ganzen eingemeindet sind: Nein, das geht nie und nimmer gut, sagen die Skeptiker – und vergessen dabei, dass sich in der IG Medien nach langer Vorarbeit, genauen Kalkulationen (und etlichen zum Teil vermeidbaren Pannen) eine Gruppe vereint hat, die gewiß auch Skepsis, aber mehr noch Hoffnung und Erwartung begleiten sollte: Endlich – spät, aber nicht zu spät – haben sich Intellektuelle und Arbeiter, Produzenten und erfahrene Sachverwalter auf dem Gebiet der Reproduktion, Männer und Frauen zusammengefunden, um der geballten Macht des Apparats, der Fangkraft der Monopole und der Herrschaft des großen Geldes die Erfindungskunst, den Einfallsreichtum und – auch das! – die List von zweihunderttausend Leuten entgegenzustellen (…)

Nein, machen wir uns nichts vor: Das Wort Kultur, zu Wilhelm Liebknechts Zeit im Zentrum einer auf Emanzipation der Unterdrückten zielende Bewegung stehend, ist, hundert Jahre später, in den Gewerkschaften zu einer marginalen Vokabel geworden, und eben dies muß sich ändern.

Die Gewerkschaften haben die Aufgabe, das von der Bourgeoisie verramschte deutsche Kulturgut zu bewahren und zu retten und aufzuheben. Das ist unsere Aufgabe! Die anderen tun es nicht.

Wir haben uns, anders als 1968, als die verwöhnten Kinder der Bourgeoisie den Arbeitern einzureden versuchten: Ach das bisschen Schiller, das ist eh nichts, an den Satz von Rosa Luxemburg zu erinnern: Entfremdet und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gütern der Menschheit hat. (…)

Wir sind, sehr frei nach Ringelnatz, auf dem Weg von Hamburg nach Australien, gewiß noch nicht in Shanghai, doch immerhin, aller Anfang ist schwer, bereits in Altona. Ans Werk also, Kolleginnen und Kollegen – der Weg ist noch weit, aber er lohnt sich: für zivile Pioniere unseres Schlags.

Ich denke, man wird von ihr hören, bald und nachdrücklich – von der IG Medien als der genuinen Verfechterin jener lebendigen Arbeit, deren schrittweiser Verwirklichung, zum Nutzen von Menschlichkeit und Demokratie, uns allen in Befehlsform aufgetragen ist.”

Neunter Schriftstellerkongress des VS in der IG Medien

Frankfurt/Main, 8.- 10. September 1989

Nach den Vorbereitungen durch den KBV kann in Frankfurt nicht nur wieder ein Kongress ohne Schlammschlachten stattfinden (an Auseinandersetzungen hat es nicht gefehlt – aber das gehört wohl unabdingbar zu einem Schriftstellerkongress), auch ein funktionsfähiger Bundesvorstand und eine neue Geschäftsführerin werden gewählt.

Vorsitzender wird Uwe Friesel, seine Stellvertreter heißen Felix Huby (Eberhard Hungerbühler) und Arnfried Astel, Beisitzer sind Wolfram Dorn, Regine Kress-Fricke, Erasmus Schöfer, Imre Török.

Zur Bundesgeschäftsführerin wählt der Kongress Sabine Herholz. (Diese Stelle ist nicht an eine VS-Mitgliedschaft gebunden und wird öffentlich ausgeschrieben.)

Uwe Friesel schreibt nach dem erfolgreichen Kongress,

„dass die Forderung nach Relitararisierung an diese Bundesrepublik, an diese westliche Industriewelt insgesamt zu stellen sei. (…) Auf Gedeih und Verderb, scheint es, stecken wir alle bis zum Hals in dieser neuen Medienwirklichkeit. Wenn wir es da nicht schaffen, zu einer Allianz – zumindest der gemeinsam empfundenen Verantwortung – mit Schulen, Bibliotheken, Verlagen, mit unseren Journalistenkollegen, kurz allen, deren Medium die Sprache ist, zu kommen, dann wird nicht nur das Buch bald ausgedient haben, sondern dann wird auch, für künftige Generationen, weil es an der Fähigkeit mangelt, das gedruckte Wort überhaupt noch aufzunehmen, die Vergangenheit uns verlorengehen. (…) Ich denke, dass sogar das Aufkommen der Republikaner (…), dass diese ebenso geschickte wie gefährliche Mischung aus Etikettenschwindel und Dreistigkeit zusammenhängt mit der Un-Durchsichtigkeit der bewegten Bilder, die bei scheinbarer Sichtbarkeit und Evidenz des Vorgezeigten der Vereinfachung, ja der Lüge derart Vorschub leisten kann.„ („die feder“)

Reliterarisierung, Auseinandersetzung mit der aufkommenden Ausländerfeindlichkeit, die Rückgewinnung der aus dem VS ausgetretenen Autoren und die traditionellen VS-Aufgaben sind erste Punkte für den Neubeginn. Für Anfang Dezember 1989 wird eine Bundesvorstandssitzung in Berlin vereinbart, um das weitere Vorgehen im VS zu diskutieren. Bei dieser Sitzung – die Mauer in Berlin ist plötzlich offen – wird schon klar, dass vollkommen neue und unerwartete Aufgaben auf den VS zukommen. Spontan lädt der VS über den Vorstand des SV der DDR AutorInnen aus Ost-Berlin zu der Sitzung ein, die Einladung wird vom Ostvorstand nicht weitergeleitet, aber über andere Kanäle erreicht die Einladung doch viele Schriftsteller aus der DDR. Teils befangen und unbeholfen, teils schon in freudig erregter Aufbruchstimmung sitzt man in West-Berlin zusammen, die Zukunft ebenso unsicher wie die Gespräche und der Umgang zwischen deutschen und deutschen Autoren. Der Bundesvorstand des VS reagiert blitzschnell und organisiert für acht Wochen später das erste deutsch-deutsche Schriftstellertreffen unter den neuen Gegebenheiten.

Die 90er: Erstes deutsch-deutsches Schriftstellertreffen

Hannover, 17.- 18. Februar 1990

Etwa 70 Autorinnen und Autoren treffen sich aus beiden Teilen Deutschlands; vor dem außerordentlichen Schriftstellerkongress des SV der DDR im März sollen die Schriftsteller in Vorträgen und persönlichen Gesprächen sich über rechtliche und soziale Fragen im Hinblick auf die mögliche Vereinigung der beiden Teile Deutschlands informieren können. Die Teilnehmer sind der Meinung, dass man weiterhin zwei Verbände brauchen werde, um die Probleme der nahen Zukunft lösen zu können. Eine Resolution wird verabschiedet. Auszug: „Mit Sorge beobachten die anwesenden Autoren, dass bei den gegenwärtigen Verhandlungen zwischen beiden deutschen Staaten vor allem ökonomische und außenpolitische Interessen im Vordergrund stehen, die alle Autoren bewegende Frage dagegen ausgeklammert wird, was der Einzug der Marktwirtschaft für die gewachsene Kulturlandschaft der DDR bedeutet. Kulturpolitische Konzeptionen für die Zukunft aller beteiligten Gruppen und Parteien in Ost und West sind bislang nicht erkennbar.”

Dichtertreffen in Weimar 1990

Auch die Idee einer literarischen Begegnung ist von Anfang an da, sie bedarf einer längeren Vorbereitungsphase und kann erst im Oktober realisiert werden. (Beschlossen wurde das Dichtertreffen in Weimar im Hamburger Besenbinderhof, dem Ort des Schriftstellerkongresses „Entwicklungsland Kultur”). Zwei Tage lang (23.-25.10.1990) diskutieren Ost- und West-Autoren über ihre Texte, Bücher und über kulturpolitische Themen. Bei einer öffentlichen Veranstaltung im Deutschen Nationaltheater lesen Volker Braun, Heinz Czechowski, Ludwig Harig, Wolfgang Hilbig, Helga Schütz und Martin Walser.

Literaturkreuzfahrt rund um die Ostsee

Die Idee von Axel Thormälen, dem Sprecher der VS-Auslandsgruppe, eine Schriftstellerreise rund um die Ostsee zu veranstalten, wird vom schwedischen und St. Petersburger Schriftstellerverband aufgegriffen. Die Kulturkreuzfahrt wird von den Schriftstellerverbänden aller Ostseeanrainerstaaten unterstützt und findet unter Beteiligung von Autoren aus den Ostseeländern vom 24.2 bis 9.3.1992 statt.

Die umfassende Darstellung der Arbeit des VS-Bundesvorstands nach dem 9. Kongress enthalten die Berichte von Uwe Friesel, den Vorstandsmitgliedern und der Bundesgeschäftsführerin, die in der Buchveröffentlichung von 1992 „Komm! in Offene, Freund!„ vorliegen.

VS und SV (DDR) / Der erste gesamtdeutsche Schriftstellerkongress in Lübeck-Travemünde 1991

Schriftstellerverband (SV) der DDR nach 1989 bis zur Auflösung

Nach dem Rücktritt von Hermann Kant, dem Präsidenten des SV, wird im März auf einem außerordentlichen Verbandskongress der Schriftstellerverband auf demokratischer Satzung neu gegründet, Rainer Kirsch zum Vorsitzenden gewählt. Der SV nimmt seinen ehemaligen Namen „Deutscher Schriftstellerverband” an.

Per Mitgliederentscheidung (an der 558 von 1061 Mitglieder beteiligt sind) beschließt dieser seine Auflösung zum 1. Januar 1991.

Am 23. Februar konstituiert sich in Mecklenburg-Vorpommern der erste VS-Landesverband in den neuen Bundesländern, in den folgenden Monaten entstehen die weiteren Landesverbände.

Zusammenarbeit SV und VS

Der Vorsitzende des Ostverbands Rainer Kirsch und seine beiden Stellvertreter Joachim Walther und Bernd Jentzsch werden in den Bundesvorstand des VS kooptiert, beraten und arbeiten mit. Nach der Auflösung des Deutschen Schriftstellerverbands entscheiden sich 600 Autorinnnen und Autoren durch Einzelbeitritt für die Mitgliedschaft im VS.

Komm! ins Offene, Freund! (Hölderlin) – Der zehnte (erste gesamtdeutsche) Kongress des VS in der IG Medien

Unter dem Motto „Komm! ins Offene, Freund!„ aus dem Gedicht „Der Gang aufs Land” von Friedrich Hölderlin, findet vom 24. bis 26. Mai 1991 der erste gesamtdeutsche Kongress des VS in Lübeck-Travemünde statt. Der Kongress wählt Uwe Friesel zum VS-Vorsitzenden, seine Stellvertreter werden Wolfram Dorn und Klaus-Dieter Sommer, die Beisitzer heißen Dieter Mucke, Thomas Reschke, Beate Morgenstern und Erasmus Schöfer.

Reden, Ansprachen, Berichte

Ansprachen von Prof. Dr. Hans-Peter Bull (Innenminister des Landes Schleswig-Holstein), Ulrich Meyenborg (Senator für Kultur und Bildung der Hansestadt Lübeck), Rolf Herbertz-Stoll (Mitglied des Geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG Medien), Björn Engholm (Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein)

Reden über die Rolle von Schriftstellern und Intellektuellen in Ost und West von Dr. Wolfgang Schäuble (Bundesminister des Innern) und Stefan Heym:

„Was hat denn die Menschen angetrieben die letzten Jahrhunderte hindurch, unseres inklusive? Was treibt sie, vor siebzig oder achtzig Jahren schon, das Abenteuer des Sozialismus zu versuchen, und später dann, als sich da die Strukturfehler aufs scheußlichste zeigten, nach neuen Wegen Ausschau zu halten, die oft genug die alten Wege waren? Die Suche nach einer heilen Welt. Und wenn Sie die Bücher lesen unserer Zeit und die Theaterstücke sehen und die Filme, so werden Sie dieses Motiv immer wieder reflektiert finden, diese Sehnsucht, diese Suche. Und ich glaube nicht, dass irgend ein Heutiger, West oder Ost, in seiner literarischen Arbeit sich dem ganz entziehen kann, und ich hoffe, dass es uns gelingen möge mitzuhelfen, dass alle Menschen bei dieser ihrer Suche ein Stück vorankommen.„

Kongress-Berichte:

Sabine Herholz, Geschäftsbericht

Wolfram Dorn, Weimarer Dichtertreffen 1990 / Erhaltung des Literaturinstituts Leipzig

Imre Török, Förderkreise / Autorenfortbildung / „Publizistik & Kunst”

Regine Kress-Fricke, Aktivitäten der Schriftstellerinnen

Erasmus Schöfer, Zur Lage der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Medien

Joachim Walther, Opfer und Täter

Uwe Friesel, Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden

Bildung der Geschichtskommission zur Aufarbeitung der Verbandsgeschichte des SV der DDR und des VS

Als „wichtigsten Antrag nicht nur für das Weiterarbeiten, sondern auch für das Selbstverständnis dieses Verbandes” (Uwe Friesel) beschließt der 10. Schriftstellerkongress die Einsetzung einer Geschichtskommission, deren Aufgabe die Aufarbeitung der Geschichte der beiden deutschen Schriftstellerverbände ist. Die Kommission hat zwölf Mitglieder und ist paritätisch aus jeweils sechs AutorInnen aus den alten und neuen Bundesländern zusammengesetzt. Sie hat Zwischenberichte vorgelegt und wird auf dem 11. Schriftstellerkongress in Aachen (28.4. – 1.5.1994) die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren.

Vgl. auch „Erinnerung als Aufgabe – Anmerkungen zur Geschichtskommission des VS” von Norbert Gansel, in: Kunst & Kultur Nr. 2 / März 1994 und Joachim Walther u.a., „Protokoll eines Tribunals”

Literatur:

Ende der Bescheidenheit – Die Texte der Gründungsveranstaltung des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), hrsg. vom VS e.V., 1969

Chronik der Ereignisse – Schriftstellerverbände 1842 bis 1973, zusammengestellt von Dieter Lattmann, in: Entwicklungsland Kultur (>)

Bruno Rauecker, Die Fachvereine der deutschen Schriftsteller, in: Die geistigen Arbeiter, 1. Teil, hrsg. von Ludwig Sinzheimer, München, Leipzig 1922

Dieter Lattmann (Hg.), Einigkeit der Einzelgänger, München 1971

Dieter Lattmann (Hg.), Entwicklungsland Kultur – Dokumentation des zweiten Schriftstellerkongresses des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), München 1973 (Kindler)

Horst Bingel (Hg.), Phantasie und Verantwortung, Frankfurt am Main 1975 (Fischer)

Bernt Engelmann (Hg.), VS vertraulich, Band 1 / 2 / 3 / 4 alle Wilhelm Goldmann Verlag, München

Bernt Engelmann (Hg.), Bestandsaufnahme – V. Schriftstellerkongress VS, München, 1980 (Goldmann)

Alfred Horné, Dieter Lattmann (Hg.), Standpunkte und Stationen auf dem Weg zur Mediengewerkschaft, 1989 (Selbstverlag der Gewerkschaft Kunst im DGB)

Joachim Walther, Wolf Biermann, Günter de Bruyn, Jürgen Fuchs, Christoph Hein, Günter Kunert, Erich Loest, Hans-Joachim Schädlich, Christa Wolf (Hg.), Protokoll eines Tribunals – die Ausschlüsse aus dem DDR-Schriftstellerverband 1979, Reinbek bei Hamburg, 1991 (Rowohlt)

Wolfram Dorn, Klaus-Dieter Sommer (Hg.), Komm! ins Offene, Freund! – Erster gesamtdeutscher Kongress des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in der IG Medien, Göttingen 1992 (Steidl)