Unter dem Motto „Literaturland Bayern“ lesen von September bis November 2026 vier Autor*innen in Röthenbach, Kalchreuth, Roth und Schwabach. Eine Veranstaltungsreihe des VS Mittelfranken, gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Kurator und Ansprechpartner:
Siegfried Straßner, autor@siegfried-strassner.de, T. 0173 3902100
So 20.09.2026, 15.00 Uhr
Leonhard F. Seidl
Beim Anschüren des Eisvogels
Nature Writing oder vom Schreiben aus dem Gelände
Treffpunkt: Eingang Röthenbachklamm, Zur Röthenbachklamm / Ecke Am Reichswald, 90518 Röthenbach bei Altdorf
Moderation: Chrys Schloyer
Erstmals erscheinen Leonhard F. Seidls Nature-Writing-Texte gesammelt in einem Band: Spannend, poetisch und bewusstseinserweiternd.
Während zahlreicher Aufenthalte in Nationalparks und anderen Orten großer natürlicher Schönheit entstanden Leonhard F. Seidls Erzählungen und Essays. In ihnen verwebt er die Geschichten der jeweiligen Regionen mit seinen eigenen Erlebnissen und Empfindungen. Der Mythos von Alkyon erzählt ihm von der Witwe, deren Trauer um ihren ertrunkenen Mann sie selbst ins Meer trieb, wo die Götter beide in Eisvögel verwandelten.
Seidl begegnet seinem Eisvogel im österreichisch-tschechischen Nationalpark Thayatal / Podyjí an der Grenze des einstigen »Eisernen Vorhangs«. Und er sitzt auf dem Schwemmholzstapel im Taubertal, wo Schandtauber und Tauber sich vereinen. Dort heben sich die Grenzen zwischen den Staaten, Innen und Außen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf.
Leonhard F. Seidl lebt in Fürth und ist Autor von mehreren Romanen, zahlreichen Kurzgeschichten, Kommentaren, Essays u. a. in taz und Süddeutsche Zeitung. Er hat zahlreiche Preise und Stipendien erhalten u. a. den Kulturpreis der Stadt Fürth (2022) und war in vier Nationalparks in Deutschland, Österreich und Tschechien Nature Writer in Residence. »Beim Anschüren des Eisvogels« erschien bei KILLROY media.
Chrys Schloyer (Leonce-und-Lena-Preis, Germanist:in & Philosoph:in M.A.) arbeitet als Autor:in zwischen Lyrik, Roman, Soundart und digitaler Poesie. Schloyer gibt Seminare und Mentoring für Gegenwartslyrik sowie KI-Workshops für Kreative und Kulturschaffende. Aktuelle Publikation: »VENUS–MARS« (Poetenladen Verlag 2024).
Do 15.10.2026, 19.30 Uhr
Stephanie Mehnert
Das Flimmern kleiner Lichter
Kulturbahnhof Kalchreuth, Bahnhofstraße 2, 90562 Kalchreuth
Moderation: Siegfried Straßner
Ronja arbeitet als Pflegehilfskraft im Hamburger Stadtteil St. Pauli und wohnt nach ihrem WG-Auszug in einer Datsche am Elbstrand. Ihre Eltern taten ihr zu deren Lebzeiten mehr weh als gut – der Vater geriet im Suff in Rage –, weshalb Ronja sich bindenden Beziehungen lieber entzieht. Niemandem berichtet sie von dem sexuellen Übergriff ihres Chefs, sie will bloß irgendwie weitermachen. Als sie sich dazu überreden lässt, ihre zwangseingewiesene Lieblingspatientin aus der Klinik zu entführen, um deren Suizid zu verhindern, gerät Ronjas Leben vollends aus den Fugen. Mit dem Aufdecken einer Lüge bricht der Horror vergangener Tage aus ihr heraus. Doch Ronja kann sich auf den Rückhalt und die Liebe einer Familie verlassen, von deren Existenz sie bisher nichts geahnt hatte. Denn zwischen den kleinen Lichtern um sie herum entwickelt sich ein starkes Netz tragfähiger Verbindungen.
Stephanie Mehnert wurde 1979 in Hamburg geboren. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Nürnberg, wo sie als Gestalttherapeutin niedergelassen ist. Ihre Texte wurden in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Der Debütroman »Das Flimmern kleiner Lichter« ist im August 2024 beim Ulrike Helmer Verlag erschienen. Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller und Mitbegründerin der unabhängigen Lesereihe »Übermut & Zärtlichkeit«.
Siegfried Straßner, geboren 1959 in Pappenheim im südlichen Franken, lebt in Nürnberg und schreibt literarische Texte aller Art. Für seine Lyrik und Kurzgeschichten wurde der Autor und Literaturwissenschaftler mehrfach ausgezeichnet. 2025 erschien im ars vivendi Verlag, Cadolzburg, sein Lyrikband »leem aus leem« mit 77 Gedichten in moderner fränkischer Mundart.
So 15.11.2026, 17.00 Uhr
Werner Knöfel
Verschickungsnovelle
Zeughausstüberl, Zeughausgasse 12, 91154 Roth
Moderation: Lucas Fassnacht
Was geschah mit den Millionen von Kindern, die in die über zweitausend Heime der jungen Bundesrepublik Deutschland verschickt wurden? Nach Jahrzehnten des Schweigens finden einige der traumatisierten Verschickungskinder zusammen und machen sich gemeinsam auf die Suche. Was sie finden erschüttert ihren Glauben an mögliche Gerechtigkeit. Aber war es wirklich nur Geschäftemacherei auf Kosten der Jüngsten, oder steckten noch ganz andere Absichten dahinter?
Werner Knöfel wurde als kerngesunder 7jähriger aus Fürth für sechs Wochen in ein Kinderheim nach Baden-Württemberg verschickt, zwei Jahre später feierte er dort seinen 10. Geburtstag. Die Erfahrungen dort, sowie seine ehrenamtliche Tätigkeit für die Initiative Verschickungskinder e.V. bilden den Hintergrund der »Verschickungsnovelle«. Nach dem Nachkriegsroman »Lasst uns unsere Träume« und seinem Buch aus der Coronazeit »Ronja tanzt« das dritte längere Prosawerk Werk des fränkischen Autors.
Lucas Fassnacht, geboren in Hessen, wuchs in Tansania auf und lebt heute in Nürnberg und Leipzig. Ausgezeichnet 2022 mit dem Kulturpreis der Stadt Nürnberg und 2024 mit dem Literaturförderpreis der Stadt Ansbach. Sein 2024 erschienener Roman »Die Innere Führung« stand monatelang auf der Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur. Aktueller Roman: »Pipeline«, erschienen 2026.
Fr 20.11.2026, 18.30 Uhr
Anna Neder von der Goltz
Die Unabhängigen
Haus der Begegnung, Auf der Aich 1-3, 91126 Schwabach
Moderation: Robert Wolfgang Segel
Was bestimmt unser Leben? Glück, Talent, Zufälle oder doch die Herkunft des Einzelnen? Lea, Rob und Alf, jung und begabt, wollten es anders machen, anders als ihre Eltern – besser. Sie wollen eine Welt ohne Krieg, in Frieden leben. Die Selbstverwirklichung ihrer Eltern fand im Hobbykeller statt, oder im Garten. Sie hingegen werden kämpfen für saubere Natur, Seen und Wasser, für eine Welt ohne Atomkraftwerke. Ob dieser Traum gelingen wird? Der Roman »Die Unabhängigen« handelt von Selbstverwirklichung, Freundschaft und Liebe. Die Gefühlswelt junger Erwachsener in einer Zeit des Umbruchs in den 80er Jahren wird auf einfühlsame Weise nachgezeichnet.
Anna Neder von der Goltz, Dr. phil., studierte Sonderpädagogik und Theaterwissenschaft und promovierte in Philosophie zum Thema Jugend und Tod. Ihr Debütroman »Martha schweigt« stand 2018 auf der Longlist des Blogbuster Preises. Sie war Preisträgerin bei StadtLesen 2020. »Die Unabhängigen« ist im Verlag Königshausen & Neumann erschienen.
Robert Wolfgang Segel, geboren 1984 in Fürth, arbeitet als Realschullehrer. Er schreibt gesellschaftskritische Kurzprosa und Romane. Mitkurator in Fürth bei der Kulturbühne KulturKiste und der Lesebühne Rooftop Stories. Ausgezeichnet 2o25 als Künstler der Metropolregion Nürnberg und 2o24 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur. Zuletzt erschienen: »Alice im verwundeten Land«, mit Illustrationen von Anastasia Braun, Edition Hibana, 2026.
